Dienstag, 6. Dezember 2022
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    Ist das die nächste Revolution der Versicherungsbranche?

    Die Blockchain wird häufig im Zusammenhang mit Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum genannt. In letzter Zeit meist negativ, zum Beispiel beim Preis-Crash von Bitcoin Ende vergangenen Jahres, oder bei den gelegentlichen Hacker-Angriffen auf Exchange und Mining-Plattformen wie die Firma Optioment. Jetzt stellt sich heraus: Mehr als 10.000 Menschen verloren über diese Firma ihr Geld. Wie die österreichische Kronen Zeitung berichtete, betrug die Summe etwa 80 Millionen Euro – und zum Höhepunkt des Bitcoin-Hochs sogar 240 Millionen Euro. Kein gutes Image. Dabei kann die virtuelle Kette viel mehr als nur Verwirrung stiften. Sie kann den nächsten Schritt in der Versicherungsbranche bedeuten. Und die ersten Beispiele gibt es bereits.

    Blockchain will Ketten sprengen

    Aber was ist eine Blockchain überhaupt? Sie ist das Rückgrat und das Fundament der meisten digitalen Währungen. Ihre Quintessenz: Ein offen einsehbares Hauptbuch, das alle getätigten Transaktionen transparent dokumentiert. Und dieses wird nicht irgendwo zentral, sondern auf vielen verschiedenen Computern (Nodes) gespeichert. Und aktuell gehalten.

    Bildlich gesprochen ist die Blockchain eine Kette, in der jeweils Transaktionsdaten miteinander verknüpft werden. Zu Blöcken zusammengefasst, auf Gültigkeit überprüft und in einem Prozess (Proof-of-Work) an die bisherige Kette von Blöcken angefügt. Der Vorteil: Die Ketten und Blöcke liefern klare und übersichtliche Informationen. Und ein weiterer Pluspunkt: Eine schnelle und sichere Übertragung der Daten.

    Smart Contracts

    Im Mittelpunkt der Blockchain stehen webbasierte Computerprotokolle (Smart Contracts). Diese basieren auf “Wenn-Dann-Regeln”. Aufgrund dieser Regel führen diese intelligenten Verträge dann bestimmte Schritte automatisch aus. So ergeben sich durch die Verbindung einer Blockkette mit den Smart Contracts für Versicherer neue Chancen. Unternehmen können auf diese Weise ganz einfach Verträge und Beitragszahlungen verwalten.

    Reiseversicherungen

    Können nervenaufreibend sein. Der Anbieter will nicht zahlen, die Fluggesellschaft fühlt sich nicht verantwortlich. Der Flug ist gecancelt, die Urlaubsstimmung dahin. Doch auch hier springt die Blockchain rettend ein. So wie bei der Fizzy-Police.

    Hier können sich die Reisenden über die Ethereum-Plattform gegen Flugverspätungen versichern. Wie? Einfach: Der Versicherungsvertrag ist direkt in der Blockchain gespeichert. Als Auslöser für eine mögliche Zahlung an den Kunden ist eine Verspätung von zwei Stunden hinterlegt. Wird diese Marke überschritten, bezahlt die Blockchain automatisch und sofort. Der Clou: Die Plattform ist direkt mit einer weltweiten Flugverkehrsdatenbank verbunden. So sind keinerlei Mitarbeiter notwendig und der Kunde bekommt sofort und ohne eine Schadensmeldung sein Geld.

    Symbiose aus Sensor und Versicherung

    Qualitätsprüfung mal anders. Die Arag hat gemeinsam mit dem Technologie-Unternehmen ubrich im Mai auf der InsurTech Week in Köln eine Blockchain-Versicherung vorgestellt. So wurde während der Veranstaltung die Luftqualität gemessen und auf einer Blockkette gespeichert. Das Experiment: Ein bestimmter Wert der Luftqualität. Geprüft wurde alles mit Sensoren. Wurde der Wert überschritten, war dies der Auslöser für eine fiktive Auszahlung einer Schadenssumme. Wurde er unterschritten, erhielten die Teilnehmer eine Zahlung. Der Beweis: Der Einsatz von Sensoren zusammen mit den Blockchains kann als fester Bestandteil eines Vertrages funktionieren.

    BU als App

    Flugverspätung und Luftverschmutzung sind natürlich ärgerlich. Aber taugt die Technologie aus für ernste Themen, etwa bei einer BU? Und ob. So verwendet die kanadische KPMG “New Life”-App das Peer-to-Peer Verfahren für BU-Versicherungen.

    Dabei werden die Prämien automatisch und transparent vom Mitgliederkollektiv eingezogen. Liegt der erste Prämieneingang vor, wird die entsprechende Police automatisch ausgestellt. Im Schadensfall kann der Versicherte Leistungen in Anspruch nehmen, indem er ein Foto der Krankenbescheinigung per App hochlädt. Auch die Schadenzahlung erfolgt automatisiert per Smart Contract.

    Fazit

    Die Technologie der Blockketten ermöglichen eine vollständige und dezentralisierte Übersicht über Daten. Gleichzeitig können diese Daten beziehungsweise Informationen nicht unbemerkt durch Einzelne verändert werden. Auch wenn die Blockchain noch in den Kinderschuhen steckt, hat sie alle Voraussetzungen für nachhaltige Veränderungen in der Versicherungsbranche.

    Bild: ©VIGE.co/Fotolia

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